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Tierarztpraxis Eichhäuser Hof

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Leberegel beim Pferd: In Deutschland nicht unmöglich, aber selten

Während hierzulande der Große Leberegel als selten und der Lanzettegel sogar als sehr selten gelten, geht man in Irland von einer Befallsrate von 60 bis 80% aller Pferde aus. Deshalb stellt sich die Frage, ob Leberegel nicht auch in Deutschland häufiger vorkommen als bisher angenommen.

Leberegel bei Pferden gelten in Deutschland als selten. Nach Auskunft von Dr. Anton Heusinger vom Laboklin Labor für Klinische Diagnostik (Bad Kissingen) werden in weniger als einem Prozent der im Sedimentationsverfahren untersuchten Pferdekotproben Leberegel nachgewiesen. Dies bestätigt der Pathologe Dr. Heinz-Adolf Schoon vom Institut für Pathologie der Universität Leipzig: In seinem Sektionsgut werden bei Pferden nur in sehr seltenen Einzelfällen Leberegel gefunden Die Pferdeschlachtereien müssen kaum Pferdelebern wegen Trematodenbefalls verwerfen und führen das auf den Umstand zurück, dass kaum Weidetiere, sondern medizinisch gut versorgte Sportpferde aus überwiegender Stallhaltung verwertet werden.

Es gibt allerdings auch andere Zahlen: in einer Veröffentlichung von Fischer und Stoye (Vorkommen Bedeutung und Bekämpfung von Infektionen mit Fasciola hepatica LINNE bei Pferden. Fortschr. Vet. Med. 37:268-279, 1983) findet sich für zwei Pferdebestände im Niederelgebiet 38% und in 71% Befallshäufigkeit und die Autoren Beelitz, Göbel und Gothe (Endoparasiten von Eseln und Pferden bei gemeinsamer Haltung inOberbayern; Artenspektrum und Befallshäufigkeit von 11%.

Pferde meist klinisch inapperent

Je nach Infektionsintensität kann ein Leberegel befallen beim Pferd nach einer Inkubationszeit von einer bis acht Wochen zu Symptomen führen. Allerdings erkrankten Pferde meist klinisch inapperent. Leistungsabfall, Mattigkeit, Schwäche, wechselnde Inappetenz, Diarrohe, Abmagerung, Aszites, Hydrothorax, Splenomegalie, Hepatitis, Ikterus, Leberzirrhose, verringerte Fruchtbarkeit, gerötete Schleimhäute Anämie, sublinguale Petechien und Veränderungen verschiedener Laborparameter (Transaminasenerhöhung, verminderte Serumcholin esteraseaktivität, Leukozytose, Eosinophilie, Erythropnie, Neutrophilie) können jedoch auf einen Leberegelbefall zurückgeführt werden.

Mit dem unter Praxis üblichen Flotationsverfahren können die typische Leberegeleier im Kot nicht nach gewiesen werden. Hier ist das Sedimentationsverfahren unverzichtbar. Wegen der unregelmäßigen und bei Pferden recht geringen Eiaausscheidung sollten im Verdachtsfall wiederholt Kotproben untersucht werden. Die Nachweissicherheit kann durch Untersuchung relativ großer Kotmengen (Sammelproben) (ca. 40 g statt üblicher 5 bis 10 g Kot pro Untersuchung erhöht werden.

Das häufig routinemäßig zur Entwurmung von Pferden eingesetzte Ivermectin wirkt nicht gegen Leberegel. Leider gibt es jedoch in Deutschland derzeit kein gegen Trematoden beim Pferd zugelassenes Präparat. Das nur für Rinder und Schafe zugelassene Triclabendazol (Fasinex Firma Novartis) wird ein einer Dosierung von 10 mg/kg  (Schaf) bzw. 12 mg/kg (Rind) einmalig oral angewendet und kann bei Bedarf umgewidmet werden.

Wichtig ist die genaue Gewichtsermittlung der zu behandelnden Pferde, um eine exakte Dosierung zu gewährleisten. Triclabenddazol wirkt bei einmaliger Gabe gegen alle drei Stadien (frühe unreife, unreife und reife) von Fasciola hepatica. Eine Wirkung gegen Nematoden und Zestoden besteht nicht. Da alle drei Entwicklungsstadien bekämpft werden, kann der Behandlungszeitpunkt frei gewählt werden. Analog zur Handhabung bei Wiederkäuern ist eine Medikation vom Aufstallen sinnvoll.

Kleine Parasitenkunde

Weltweit verbreitet sind die Trematoden Großer Leberegel (Fasciola hepatica) und Lanzettegel (Dicrocoelium denndriticum). Letzter ist weniger bedeutsam, weil er selbst bei starkem Befall normalerweise nicht zu klinischen Symptomen führt.

Leberegel legen pro TAg bis zu 6000 Eier ab. Während einer Weideperiode kann ein Pferd so trotz der im Vergleich zu Wiederkäuern niedrigen Eikonzentration mehrere Millionen Leberegeleier ausscheiden.

Deren komlizierte Entwicklung ist von Zwergschlammschnecken als Zwischenwirt abhängig. Die Endwirte infezieren sich durch die orale Aufnahme sogenannter Metazerkarien mit Planzen (bzw. bei Dicrocoelium dendriticum mit Ameisen).

Bei Schafen und Rindern ist der Leberegelbefall wegen der sehr häufigen und massiven Vorkommens wirtschaftlich sehr bedeutsam, Aber auch Ziegen, Pferde, Esel, Zebras, Hunde und Menschen fungieren als Wirte. Die Präpatenz dauert sieben bis dreizehn Wochen, die Patenz sogar mehrere Jahre.

Pferde verfügen im Gegensatz zu Schafen und Rindern über relativ leistungsfähige Abwehrmechanismen und können durch Elimination oder Immobilisation der Parasiten das Patent werden der Infektion großteils verhindern. Diese natürliche Immunität ist vermutlich auch der Grund dafür, dass sowohl patente als auch impatente Infektionen beim Pferd überwiegend sunklinisch verlaufen.

Allerdings scheinen Pferde im Alter von bis zu drei Jahren anfälliger zu sein, denn sie scheiden häufiger Leberegeleier aus als ältere Tiere.